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Vitold Rek - Acoustic Bass Jürgen Wuchner - 5-String Acoustic Bass Norbert Dömling - 6-String Electric & Fretless Bass
Text über die Musik des Trios von Wolfram Knauer (Jazzinstitut Darmstadt):
The Bassic Trio
Es gibt Menschen, die tiefe Töne lieben - die Baritonphrasen eines Gerry Mulligan oder Pepper Adams
beispielsweise, die tiefen, oktav-gehämmerten Klavier-Grundierungen eines Duke Ellington oder Randy Weston, den vollen Sound eines Charles Mingus. Wie die Geräusche eines Dieselmotors scheinen die tiefen Töne in den Hörer
einzudringen, nicht nur durchs Trommelfell, versetzen den ganzen Körper in Schwingungen, die man fast mehr zu spüren als zu hören vermeint.
Wer also die Welt der tiefen Tone liebt, ist bei der Musik auf dieser CD gut
aufgehoben. Kontrabassisten sind - vom Publikum oft kaum wahrgenommen - die dienenden Engel des Jazz. Leise Baß-Soli entwischen, anders als die schweißtreibende Arbeit der Schlagzeugkollegen, leicht der Aufmerksamkeit des
Publikums. Die Präsenz des Bassisten wird als selbstverständlich hingenommen, seine Funktion als wichtigste harmonische und rhythmische Basis spätestens seit dem modernen Jazz nur selten erkannt. Zugleich aber sind Bassisten
Soundfetischisten. Mehr noch als fast allen anderen lnstrumentalisten ist ihnen ein gutes Instrument wichtig, bewundern sie an ihren Kollegen vor allem die Fähigkeit, Töne stehen und sich entwickeln zu lassen, im besten
Sinne des Wortes Schwingungen zu erzeugen, Sound, Klang.
Die Welt des Klangs spielt auch im Bassic Trio mit Jürgen Wuchner, Vitold Rek und Norbert Dömling eine wichtige Rolle. Hier bringt jeder der Musiker seine eigene
Welt ein, seinen eigenen Bass-Sound, klar erkenn- und voneinander unterscheidbare Stimmen.
Der Darmstädter Jürgen Wuchner, der seit den 7Oer Jahren in Combos aller Stilkategorien arbeitet, vom Vienna Art Orchestra über Heinz Sauer und Hans Koller bis hin zu eigenen Ensembles
beispielsweise mit Matthias Schubert oder Rudi Mahall, bildet den erdig-bluesverwurzelten Pol des Trios. Selbst in hohen Tönen, in Flageolett-Partien ist der tief-warme Klang seines Instruments präsent.
Der in Polen geborene Wahlhesse Vitold Rek arbeitete unter anderem mit Musikern wie John Tchicai, Karl Berger, Christof Lauer und Tomasz Stanko zusammen. Er besitzt einen auf Schönheit bedachten, oft klassisch wirkenden Ton. Die polnische Seele kommt in seinem Spiel vieleicht ein wenig in jener Feierlichkeit durch, die man sowohl in den lyrischen Themenstatements wie in den jazzigeren Grooves entdecken kann.
Norbert Dömling, der unter anderem mit Joachim
Kühn, Charlie Mariano, Trilok Gurtu, Toto Blanke und vielen anderen zusammenarbeitete, gehört zu den führenden E-Bassisten Deutschlands. Seine E-Bass-Stimme sorgt für die helleren Soundcharaktere, ist für stärker akkordische
Akzente zuständig.
Alle drei Musiker nutzen das gesamte Spektrum des Basses. Sie zupfen und streichen, grooven und “singen” auf ihrem Instrument. Die Rollen von Melodie- und Begleitstimmen wechseln in jedem Stück, ja
wechseln selbst innerhalb der Nummern, nirgends aber beliebig, sondern überall im Bewußtsein der musikalischen Charaktere, die die einzelnen Musiker ins Trio einbringen.
In "Bulawayo" legen Wuchner und Dömling
eine rhythmisch verzwackte pizzicato-Begleitung vor, über der Vitold Rek arco die ins Ohr gehende Melodie spielt. “Du darfst" schwankt zwischen den Extremen eines romantisch-lyrischen Themas und den diese Lyrik kurzzeitig
aufbrechenden Soli. "Lo.Bo.Ga” baut eine von Vitold Rek selbst gesungene altes polnisches Volkslied ins jazzigere Instrumentalthema ein. Billy Strayhorns "Passion Flower" aber faßt gleichsam programmatisch
zusammen, worum es den Musikern vor allem geht: urn Schönheit, Lyrik und Sound.
Die Vorbilder für diese Musik sind damit auf den unterschiedlichsten Ebenen zu finden: in der Geschichte des Jazzbasses von Wellman Braud
über Jimmy Blanton, Ray Brown und Charles Mingus bis zu Paul Chambers, Scott LaFaro, Gary Peacock oder Charlie Haden; in europäischer Vokal- wie Instrumentalmusik folkloristischen und klassischen Ursprungs; vor allem aber in
der Lust des Zusammenspiels, des lneinandergreifens der Stimmen und in der Freundschaft dreier Musiker, die sich, wo sie sich auf ähnlicher klanglicher Basis treffen, blind vertrauen können. "Passion Flower" fürwahr -
eine Passion für den Sound und ein Dieselmotor, der so rund läuft, das man sich behaglich und sicher fühlt, auch wenn er unbekanntes Terrain durchstreift.
Wolfram Knauer
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